Die Feiertage des letzten Jahres sind vorbei, das neue Jahr hat begonnen und der Alltag bahnt sich allmählich seinen Weg zurück: lange To-do-Listen, Einkäufe, Arbeit auffangen, Familie koordinieren, emotionale Bedürfnisse im Blick behalten. Vielleicht kommen noch gute Vorsätze dazu, die zusätzlichen Druck aufbauen.
Viele Paare fühlen sich in dieser Mischung einander nicht wirklich näher und motiviert, sondern erschöpfter. Kleine Reibungen eskalieren schneller, Gespräche bleiben oberflächlich oder drehen sich nur noch um Organisation. Das liegt nicht daran, dass die Liebe fehlt, sondern daran, dass der Mental Load im Januar besonders spürbar ist.
Viele wissen gar nicht, dass Januar und Februar die Monate sind, in denen Beziehungen am meisten unter Druck geraten. Idealerweise sollten Erwartungen an einen „guten Start“ auf volle Akkus treffen. Häufig ist aber das Gegenteil der Fall: Die Feiertage waren schön, aber doch irgendwie anstrengend. Bei einigen beginnt das Jahr mit einer Erkältung oder man spürt einfach, dass die Tage kalt und dunkel sind. Kurzum, bei vielen von uns sind die Akkus im Januar eigentlich leer.
Dieser Beitrag zeigt euch, warum der Mental Load zu Jahresbeginn so stark zu spüren ist, warum er oft zu Konflikten führt, und mit welchen alltagstauglichen Tipps ihr euch als Paar dahingehend entlasten könnt.
Warum wiegt der Mental Load nach den Feiertagen besonders schwer?
Nach den Feiertagen fühlt sich der Alltag oft härter an als sonst. Das liegt nicht daran, dass plötzlich alles schlimmer geworden ist, sondern daran, dass die unsichtbare Belastung wieder voll da ist.
Im Dezember fühlt sich Mental Load häufig eher wie eine Belastung „auf Zeit“ an: ist ja schließlich bald Weihnachten. Aufgaben werden verschoben, Routinen aufgelöst, Erwartungen heruntergefahren – es wird Platz gemacht für den Weihnachtszauber, den man sich so sehr wünscht. Dadurch entstehen Ausnahmen vom Alltag, Urlaubstage, gegebenenfalls Unterstützung von außen oder einfach das Gefühl: „Damit beschäftigen wir uns im neuen Jahr“. Und im trubeligen Dezember kann genau das ja auch sehr wertvoll sein.
Und dann kommt das neue Jahr und der Januar funktioniert dann plötzlich wieder anders. Der Normalbetrieb findet wieder statt und alle To-dos fürs neue Jahr schreien nun förmlich nach Aufmerksamkeit. Jetzt muss erledigt werden, was eben im Dezember nicht mehr an die Reihe gekommen ist. Und dabei geht es nicht nur um sichtbare Aufgaben, sondern auch und vor allem um ständiges inneres Mitdenken, den Mental Load: Wer denkt an Arzttermine, Einkäufe und Deadlines? Wer kümmert sich um die emotionalen Bedürfnisse und offenen Gespräche? Wer merkt, wenn etwas kippt, bevor es laut wird? Wer passt eigentlich auf, dass man sich als Paar nicht zu viel vornimmt und unnötig viel Frust erlebt, weil eben mit dem 1. Januar doch nicht alle Schalter umgelegt werden können?
Nach den Feiertagen kommt all das gleichzeitig zurück: die volle Verantwortung, der Druck, wieder „zu funktionieren“, die Erwartungen aneinander und ans Miteinander, das Vorhaben, motiviert und produktiv ins neue Jahr zu starten. Und für viele Paare kommt auch noch der Plan – oder zumindest der Wunsch – dazu, mehr ins Paarsein zu investieren und vielleicht sogar auf der Beziehungsebene neu zu starten oder durchzustarten.
Daraus resultiert dann mitunter, dass es sich ganz und gar nicht nach einem Neuanfang, sondern vielmehr nach Überforderung anfühlt. Besonders belastend ist dabei, dass Mental Load in einer Beziehung selten gleich verteilt ist und genauso selten als das erkannt wird, was er ist. Das wiederum führt dann dazu, dass eine Person sich alleine dafür verantwortlich fühlt, während die andere Person das Gefühl hat, ständig zu kurz zu kommen oder kritisiert zu werden. Herzlich willkommen im ersten kleinen Teufelskreis 2026!
So entstehen zu Jahresbeginn ganz leicht Spannungen im Miteinander, die im Grunde nicht mit fehlender Liebe zu tun haben, sondern ein Resultat von viel zu vielen Gedanken im Kopf sind – und zu wenig Raum dazwischen lassen für sich als Paar und entspannte Zeit zu zweit.
Ganz wichtig ist in diesem Kontext Folgendes: Mental Load ist kein persönliches Versagen. Und Mental Load ist auch kein Beziehungsproblem. Mental Load existiert immer, das bringen das Leben und der Alltag nun mal mit sich. Die Schwierigkeit besteht eher darin, dass dabei häufig ein Ungleichgewicht vorherrscht und eine Person im Stillen und oft viel zu selbstverständlich den Großteil trägt.
Wenn Organisation zur Beziehungssache wird
Auf den ersten Blick geht es im Alltag nur um Kleinigkeiten: Wer kauft ein? Wer bringt die Kinder weg? Wer denkt an den Termin heute Abend? Oder auch: Wer meldet sich bei wem? Wer merkt, wenn etwas fehlt – im Kühlschrank oder aber auch in der Stimmung?
Doch genau da beginnt das eigentliche Problem, denn Organisation ist nie NUR Organisation. Sie ist emotionale Verantwortung. Und genau diese Verantwortung kann schwer wiegen und viele Ressourcen in Anspruch nehmen. Mental Load bedeutet nicht nur, Dinge zu erledigen. Es bedeutet auch, ständig den Überblick zu behalten, vorauszudenken, zu erinnern, abzufangen, aufzufangen. Wer so eine Rolle stark übernimmt, ist innerlich selten wirklich frei – auch dann nicht, wenn gerade nichts offensichtlich akut ansteht.
In Beziehungen wird genau das oft missverstanden. Die eine Person fühlt sich mit all dem alleingelassen und ungesehen. Die andere fühlt sich hingegen kritisiert, kontrolliert oder nie genug. Beide haben recht und reden trotzdem aneinander vorbei.
Denn was fehlt, ist nicht mehr Hilfe. Es fehlt ein offener Austausch darüber, ein gemeinsames Verständnis dafür, dass Organisation die Beziehung beeinflusst. Wenn eine Person permanent mitdenkt, plant und koordiniert, bleibt automatisch weniger Raum für Leichtigkeit, Lust und auch Nähe. Gespräche drehen sich vorrangig um Abläufe, statt um Gefühle. Berührungen werden seltener, vielleicht sogar eher funktional und Zweisamkeit kann sich leider auch wie ein weiterer Programmpunkt anfühlen, der „abgearbeitet“ werden soll. Das belastet die Beziehung, und zwar vor allem im Januar und Februar, wenn gefühlt der Start für ein gesamtes, neues Jahr mit all seinen Hoffnungen, Erwartungen und Plänen auf einen einschmettert.
Das Blöde daran ist: Je höher der Mental Load ist, desto schwieriger wird es dann auch, darüber zu sprechen. Nicht, weil eine Gleichgültigkeit eintritt, sondern weil man bereits so erschöpft ist.
Deshalb eskalieren Konflikte im Januar oft an scheinbaren Nebensächlichkeiten – es geht dann natürlich nicht wirklich um die immer nicht ausgeräumte Spülmaschine. Es geht um alles und das Gefühl, dieses „Alles“ alleine tragen zu müssen. Und das kann auf eine schmerzliche Weise zu einer besonderen Form „innerer Einsamkeit“ führen. Und dieser Zustand ist dann genau das Gegenteil von dem, was man sich zum Start ins Jahr gewünscht hatte.
Der erste Schritt raus aus dieser Dynamik ist ein gutes, offenes, intensives Gespräch. Es braucht die Erkenntnis: Wir kämpfen nicht gegeneinander, sondern gemeinsam gegen die Überlastung, die aktuell zwischen uns steht.
5 Tipps für den Jahresstart
Mental Load lässt sich nicht mit einem Gespräch zwischen Tür und Angel auflösen. Ausführliche Unterhaltungen mit Offenheit auf beiden Seiten können ihn jedoch nachhaltig leichter machen. Findet euch zusammen, holt euch gegebenenfalls etwas zum Schreiben dazu und dann beginnt einfach mal – Schritt für Schritt. Hier sind einige Tipps, die euch dabei helfen können.
1. Benennt Belastung, nicht nur Aufgaben
In vielen Gesprächen über Mental Load geht es schnell und vor allem um To-do-Listen: Wer hat was vergessen? Wer müsste endlich mal mehr machen? Wer wäre mit irgendwas an der Reihe (gewesen)? Das führt selten zu Entlastung, sondern eher zu Rechtfertigungen und einem Gegeneinander-Gefühl.
Hilfreicher ist es, in solchen Momenten kurz innezuhalten und nochmal einen Schritt davor anzusetzen: Zeigt einander zunächst einmal eure eigenen Gefühle auf, die euch hinsichtlich dieses Themas belasten. Sprecht die Überforderung einmal konkret auszusprechen und benennt, wie ihr euch damit fühlt.
Ganz konkret könnt ihr zum Beispiel sagen „Ich merke, dass ich innerlich nie richtig abschalte“ oder „Mein Kopf fühlt sich dauerhaft voll an“. Oder vielleicht „Ich fühle mich unwohl, weil ich es nicht so gut hinbekomme wie ich will“. Sätze dieser Art öffnen einen Raum für Verständnis. Sie machen klar, dass es nicht um Kontrolle geht, sondern um Erschöpfung. Durch diese Herangehensweise kann eine Verbindung entstehen, die das weitere Vorgehen enorm erleichtert – ein guter Grundstein ist gesetzt.
2. Macht das Unsichtbare sichtbar
Mental Load ist auch deshalb so schwer aufzuteilen und schnell ungleich verteilt, weil er oft nicht greifbar ist. Er besteht aus Gedanken, Planungen, Erinnerungen – also Dingen, die man nicht sehen kann.
Ein Austausch darüber, was im Kopf gerade alles mitläuft, kann deshalb sehr entlastend sein. Das Ziel sollte dabei nicht sein, sofort Lösungen zu finden, sondern Transparenz zu schaffen: Was beschäftigt dich gerade ständig? Woran denkst du, auch wenn du eigentlich eine Pause bräuchtest?
Allein die Tatsache, gehört zu werden, führt häufig zu einer gewissen Entspannung. Sie nimmt etwas Druck aus der Situation und ersetzt es vielleicht sogar mit Mitgefühl – auf beiden Seiten. Gerade wenn der Druck besonders hoch ist, tut es gut, ihn erstmal anzuerkennen, statt ihn kleinzureden oder ganz zu übersehen.
3. Senkt bewusst eure Erwartungen
Der Start eines Jahres wird gesellschaftlich oft als Neustart inszeniert. Mehr Struktur, mehr Motivation, mehr Vorsätze bitte. Für viele Paare fühlt sich das wie zusätzlicher Druck an – gerade dann, wenn die Kraft fehlt.
Erlaubt euch, diesen Erwartungen bewusst nicht zu folgen. Nähe muss jetzt nicht aufregend sein, eure Beziehung muss keinen Neustart erleben, sie muss sich auch nicht besonders leicht anfühlen. Viel wichtiger ist Stabilität, und zwar im besten Fall über das ganze Jahr hinweg. Entlastung entsteht, wenn ihr euch gemeinsam vornehmt, dass ihr euch nichts beweisen müsst, nicht euch selbst und auch nicht gegenseitig. Setzt euch lieber gemeinsam in das Boot, das in Richtung „Wir sind gut, wie wir sind“ segelt, anstatt kraftlos zu ganz neuen Ufern aufzubrechen.
4. Trennt Organisation von Nähe
Manchmal entwickelt es sich schleichend und ohne, dass man es als Paar so richtig mitbekommt. Hier eine Planung, dort eine Diskussion – ehe man sich versieht, besteht die eigentlich so wertvolle gemeinsame Zeit ausschließlich aus Abstimmungen. Natürlich gehören diese dazu und es ist wichtig, sich genau dafür auch Zeit zu nehmen. Wenn dies allerdings zur Gewohnheit wird, dann leidet früher oder später die emotionale Verbindung darunter. Nähe wird funktional, kurz, effizient und zweckgebunden.
Um das zu vermeiden, versucht, euch bewusst kleine Inseln zu schaffen, auf denen Organisation keinen Platz hat. Nehmt euch Zeit, in der es nicht um Problemlösungen, Planung und Abarbeiten geht. Schon zehn Minuten gemeinsam auf dem Sofa können ausreichen, um wieder schöne Emotionen mit der gemeinsamen Zeit zu verknüpfen. So kann aus kurzer, aber echter Verbindung etwas Stärkendes entstehen, das eure Paar-Akkus auflädt. Eine bewusste Umarmung, ein kurzer Spaziergang – Zeit, die wirklich euch als Paar gehört und in der Kalender, To-do-Listen und Organisationsaufgaben streng verboten sind.
Diese Momente müssen nichts „bringen“, sie dürfen einfach da sein. Letztlich kann nämlich genau das Nähe wieder spürbar machen, auch in stressigen Phasen. Und besonders schön daran ist, dass es keine besonderen Tools, keine Vorbereitung und auch keine Kopfstände dafür braucht. Es reicht völlig aus, wenn ihr euch für diese paar Minuten wirklich aufeinander einlässt und nichts anderes stattfindet.
5. Bildet ein Team gegen die Überlastung
Mental Load fühlt sich häufig – vor allem bei ungleichmäßiger Verteilung – an wie ein Gegeneinander: Die eine Person fühlt sich alleingelassen, die andere permanent beobachtet und kritisiert. Dabei sind beide meistens einfach müde und werden missverstanden.
Ein Perspektivwechsel kann hier bereits viel verändern: Ihr könnt erkennen, dass es kein „Du gegen mich“ sein muss, sondern ein „Wir gegen die Überlastung“ sein kann. Wenn ihr euch innerlich auf dieselbe Seite stellt, entsteht Verständnis statt Abwehr. Und manchmal reicht genau das bereits aus, um den Druck spürbar zu reduzieren und um ein Teamgefühl wiederzubeleben, das sonst vielleicht unter Erschöpfung und Vorwürfen vergraben bleibt.
Und was jetzt?
Ganz klar ist: Wenn sich der Jahresanfang für euch schwer anfühlt, geht es euch wie vielen anderen auch. Es ist nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass etwas mit eurer Beziehung nicht stimmt. Oft ist es einfach ein Moment, in dem zu viel gleichzeitig getragen und zu wenig ehrlich und in Ruhe miteinander ausgetauscht wird. Einfach, weil so viel anliegt.
Mental Load verschwindet natürlich nicht über Nacht. Aber er wird leichter, wenn man ihn anerkennt und er nicht alleine getragen werden muss. Wenn Gedanken geteilt werden dürfen. Wenn Nähe nicht noch ein weiterer Punkt auf der Liste ist, sondern ein Ort wird, an dem auch mal einen Moment lang nichts geleistet werden muss.
Beziehung bedeutet schließlich nicht, alles im Griff haben zu müssen. Es gehört genauso dazu, sich einander offen zu zeigen, einander zuzuhören und neu zu denken. Das fühle ich – was fühlst du? Wie können wir uns unterstützen und ein Team werden?
Und vielleicht ist genau das der einzige „Vorsatz“ oder besser Impuls für das neue Jahr: Nicht mehr zu schaffen, sondern innerhalb der Beziehung mehr Offenheit und damit Nähe zu schaffen. Zeit füreinander entsteht nicht zufällig – sie beginnt dort, wo Druck endet und Entspannung Raum für echte Verbindung öffnet.


